Marika in den USA III: Lesestart in der Northwest Wine Company

Jungwinzerin Marika Böhme ist unterwegs im Weinanbaugebiet Willamette Valley, Oregon. Ihre Erlebnisberichte können Sie in den nächsten Monaten hier oder direkt unter marika.boehme-toechter.de verfolgen. 

Am Freitag, 13. September, starteten wir etwas früher als erwartet mit der Weinlese. Aufgrund der Betriebsstruktur werden Sandro und ich wohl keine Trauben lesen sondern ausschließlich verarbeiten – und selbst wenn, wären wir wohl viel zu langsam im Vergleich zu den mexikanischen Leseprofis.

Die Northwest Wine Company ist eine Kellerei, die für so genannte Klienten Wein produziert. Diese Art der Weinbereitung nennt man Custom Crushing. Von der Traube bis zur Flasche übernimmt NW Wine Company die komplette Produktion von zahlreichen Klienten mit über 400 acres (160 ha) Rebland. Maßgebend sind dabei ausschließlich die Wünsche und Vorstellungen der Klienten hinsichtlich der Weinbereitung und -stilistik. Sei es nun eine Spontangärung, Kaltmazeration, ein bestimmter Rhythmus oder die Häufigkeit von Punch Downs bzw. Pump Overs – all das bestimmt der Klient.

Neben dem Custom Crushing ist die NW Wine Company selbst in Besitz von 200 Acres (80 ha) Rebland, auf dem Rebsorten wie Spätburgunder, Chardonnay, Gewürztraminer, Riesling und Müller-Thurgau kultiviert sind. Diese Weine werden unter dem betriebseigenen Label Hyland Estates vermarktet.

An den ersten drei Lesetagen arbeiteten wir einige Stunden an der Traubensortieranlage. Hier werden die von Hand gelesenen Trauben aus der Döse direkt auf ein Förderband gekippt und man kann das Lesegut von unreifen oder botrytisbefallenen Trauben reinigen. Die Spätburgundertrauben waren alle sehr gesund, sodass wir außer Laub oder teilweise unreifem Lesegut nicht viel aussortieren mussten.

Hier hatte ich die Gelegenheit mich etwas mit Klonen zu beschäftigen. Wie ich herausfand verwendet man in Oregon häufig französische Qualitätsklone wie INRA 777, die kleine und sehr aromatische Trauben und Beeren hervorbringen.

Das Lesegut hatte meist zwischen 20 und 23% Brix, das entspricht ca. 83 bis 96° Oechsle. Diese Werte waren ein wenig überraschend für uns, da wir erwartet hatten, dass in diesen Breitengraden Trauben mit höheren Zuckergehalten erzeugt würden. Zwar schmeckten die Trauben sehr aromatisch, die Säure haben wir jedoch ein wenig vermisst. Unsere Winemaker anscheinend auch: Nach drei Tagen an der Traubensortieranlage übernahm die mexikanische Crew, Sandro und ich hingegen waren im Keller damit beschäftigt, sehr viele Anpassungen an den Traubensäften bzw. Maischen vorzunehmen, insbesondere Weinsäure hinzuzufügen. Zu unseren alltäglichen Arbeiten gehören nun natürlich auch das Ansetzen von Hefe, das Überschwallen (Pump Over) oder Stampfen (Punch Down) der Maischen, die Gärüberwachung und vieles mehr.

Aber dazu berichte ich euch beim nächsten Mal.