Marika in den USA II: Die Northwest Wine Company

Jungwinzerin Marika Böhme ist unterwegs im Weinanbaugebiet Willamette Valley, Oregon. Ihre Erlebnisberichte können Sie in den nächsten Monaten hier oder direkt unter marika.boehme-toechter.de verfolgen. 

Am 31. August flogen wir von LA nach Portland. Ich war sehr aufgeregt und gespannt auf Oregon: Wie würde wohl unsere Unterkunft sein? Wie würden wir uns im Weingut zurecht finden? Wie würde die erste Begegnung mit dem Assistent Winemaker Bryan, der uns vom Airport abholen sollte, verlaufen?

Alle Ängste verflüchtigten sich kurz nach unserer Ankunft, da Bryan uns herzlich Willkommen hieß und wir uns auf Anhieb gut verstanden. Auch die Vorbehalte ob unserer Unterkunft lösten sich in Wohlgefallen auf als wir unseren jetzigen Wohnort Dundee erreichten. Wir leben in einem großen und typisch amerikanischen Haus, das keine Wünsche offen lässt. Hier kann man sich während der nächsten drei Monate definitiv wohl fühlen.

Unsere ersten zwei Tage haben wir dazu genutzt, das Haus und Dundee zu erkunden. Außerdem besuchten wir den Tasting Room von Hyland Estates, dem betriebseigenen Label der Northwest Wine Company, und probierten einen Riesling und Gewürztraminer. Das Resümee: Unsere heimischen Rebsorten schmecken hier ganz anders. Vor allem das Bukett und die Aromata, die ich von unseren Saale-Unstrut-Weinen kenne, kann man hier nur erahnen. Doch so ist es eben – anderes Land, anderes Klima, andere Techniken und vor allem andere Stilistik.

Dienstag, 3. September, sollte unser erster Arbeitstag sein. Eigentlich waren wir auf einen entspannten Tag eingestellt, da für die ersten Tage laut Trainingsplan ausschließlich unsere Einführung vorgesehen war. Daran war allerdings nicht zu denken. Die Hiobsbotschaft, dass ich nicht bei Soléna Estate arbeiten werde sondern mit in Sandros Firma NWW, eine große Kellerei die für verschiedene Klienten vinifiziert, hatte ich schon kurz nach meiner Ankunft erhalten und verdaut.

Nach einem kurzen Betriebsrundgang wurden wir je einem Arbeiter zugewiesen und begannen direkt mit unseren Aufgaben. Der Plan für die gesamte kommende Woche: Racking-Barriques entleeren, waschen und wieder befüllen. Mein Supervisor war Pam, eine nette junge Kollegin, die mich mit sehr viel Engagement an die Arbeit herangeführt hat.

In den nächsten Tagen gewöhnten wir uns an die Company und deren Abläufe. Das Team um uns ist sehr jung, freundlich und hilfsbereit. Obwohl wir auf einem komplett anderen Kontinent sind, ticken die Menschen genau wie wir. Das macht Vieles einfacher.

Am Donnerstag traf unser erster Mitbewohner Laurie aus Neuseeland ein. Er arbeitete dort drei Jahre in den Weinbergen eines Weinguts und möchte jetzt Erfahrungen im Weinkeller sammeln. Valentine, unsere französische Mitbewohnerin, die in Frankreich Oenologie studiert, haben wir am Samstag vom Airport in Portland abgeholt. Nun ist unsere kleine Dundee-WG komplett. Wir sind sehr glücklich über unsere Flatmates.

Nach einigen Tastings am Sonntag begann am Montag, 9. September, unsere zweite Arbeitswoche, die komplett im Zeichen von Labwork und Adjustments stand. Unser Labboy Colby hat mich in die Laborarbeit eingeführt, sodass ich die Weine vor der Füllung (Pre-Bottling) selbstständig auf freien und gesamten Schwefel, pH, Gesamtsäure und CO2 untersuchen konnte und wenn nötig, Anpassungen bezüglich Schwefelgehalt und CO2-Gehalt vornehmen konnte. Am Ende der zweiten Arbeitswoche bekamen wir von unserer Winemakerin Anne ein kurzes Briefing zur Weinlese, denn die sollte am kommenden Wochenende beginnen.

Wir sind gespannt auf die ersten Lesetage, über die ich in Kürze berichten werde.