Gleinaer Winzer hat Händchen wie Köpfchen

Der Gleinaer Winzer Frank Böhme hat die höchste Punktwertung bei der Saale-Unstrut-Landesweinprämierung erhalten - nicht zum ersten Mal. Bei der Auszeichnung waren die Fähigkeiten des Winzers und Kellermeisters gefragt.

Irgendwas macht Frank Böhme richtig. Der Gleinaer Winzer hat bei der Saale-Unstrut-Landesweinprämierung die höchste Punktzahl erreicht. Seine Weine waren der Jury drei goldene und zwei silberne Auszeichnungen wert. Mit den meisten Punkten erhielt er auch den Ehrenpreis des Landesverwaltungsamts Halle. Und das nach 2005 und 2012 bereits zum dritten Mal. Was steckt hinter dem Erfolg? 

Vor allem: viel Arbeit. »Mit einem Acht-Stunden-Tag ist es nicht getan«, sagt der 51-Jährige. Im Grunde hat er mehrere Berufe: Er sei »tagsüber Winzer und Kellermeister und abends Gastronom«. 

Bei der Auszeichnung waren die Fähigkeiten des Winzers und Kellermeisters gefragt. Sein Weißburgunder, Riesling, Riesling Kabinett, Chardonnay und Dornfelder wurden auf Geschmack, Geruch, Harmonie, auf Farbe und Klarheit geprüft - und erhielten die höchsten Punkte. Da kann sich die Jury mit Böhmes Kunden einer Meinung fühlen: Vom Weißburgunder liegt beispielsweise nur noch ein Rest im neu gebauten Lagerraum. 

Gute Lagen sind schwer zu pflegen 

Mit 134?gingen so viele Ehrungen wie noch nie an die Winzer von Saale und Unstrut (siehe »134 Ehrungen«). Auch Böhme sagt über die eigenen Weine, sie seien »wunderschön, von der Qualität her optimal« - aber sehr arbeitsintensiv. Das gilt vor allem für die Steillagen. Dort, wo der Wein sich idyllisch die Hänge hochzieht, scheint die Sonne in besonders günstigem Winkel. 

Doch dorthin gelangt bis heute keine Technik. Die Wege sind steil, auf den Treppen kommt man auch ohne Geräte und Traubenlast ins Schwitzen. Auf dem Hang ist Handarbeit gefragt. Das macht die Bewirtschaftung teuer. Die Weine dieser Lagen rentierten sich nicht, sagt Böhme. Er müsse die Kosten ausgleichen durch Wein, der mit weniger Aufwand bearbeitet wird. Oder er setzt auf Qualität und einen deutlich höheren Preis als üblich. In diese Richtung orientieren sich Böhme und sieben weitere Winzer gerade. Sie haben den Verein Breitengrad 51 gegründet, wollen die besten Weine dieses nördlichsten Weinbaugebiets Deutschlands hochpreisig vertreiben. 

Töchter sind Teil des Unternehmens 

Als Böhme mit dem Weinbau anfing, war daran nicht zu denken. Sein Vater Werner hatte 1986 den ersten Weinberg gekauft. Elf Jahre später wurde Böhme Junior Direktvermarkter, seit 2003 ist er selbstständig. Von Anfang an investierte er in Technik, wo sie die Arbeit vereinfacht und die Weinqualität steigert. Er hat eine sogenannte »kontrollierte Gärführung«, der Wein wird beim Gären gekühlt, damit er mehr Aromen behält. Solche Investitionen brauchen Köpfchen, ein Abwägen, ob sie sinnvoll sind. Dass er außerdem ein gutes Händchen hat, beweist er mit den Trauben, die er sowohl klug wählt, als auch behandelt, wie die Preise zeigen. Bis heute ist das Weingut ein Familienunternehmen. Böhmes Eltern gehören genauso wie seine Töchter dazu. Tochter Marika war mal Weinkönigin, studiert jetzt Weinbau und sagt, sie wolle in der Heimat bleiben. Dass auch ihr Vater das will, beweist die jüngste Entscheidung: Ab jetzt laufen Wein und Gut unter dem Namen: Böhme und Töchter.

Zum Artikel auf mz-web.de

Frank Böhme aus Gleina in seinem Freyburger Weinberg  (BILD: T. Biel)

Frank Böhme aus Gleina in seinem Freyburger Weinberg (BILD: T. Biel)