Autodidakt Frank Böhme macht großartige Weine

Falkensteins Weinmacher

Traminer - ein bezaubernder Tropfen. Autodidakt Frank Böhme macht großartige Weine.

Der Lebenslauf von Frank Böhme, der in Gleina an der Unstrut ein prächtiges Weingut aufgebaut hat, spiegelt anschaulich das Ende der DDR wider. Vater Werner leitete früher bei der örtlichen Genossenschaft die Technikbrigade Obst- und Weinbau. Weil sich’s so am besten fügte, wurde der Sohn Maschinenschlosser und bekam Arbeit in der LPG.
Damals lag im Tal der Unstrut manch Rebland brach. Werner Böhme erwarb 1986 in der Lage Dorndorfer Rappenberg ein 0,45 Hektar großes Stück, das er rekultivierte. Der Sohn packte kräftig mit an. »Wir tranken alle gerne ein Glas«, erinnert er sich. Und Wein war dort zu jener Zeit Mangelware.

Nach der Wende benannte sich die LPG Gleina in eine Agrargenossenschaft um. Die Obstplantagen verschwanden. Dafür wurden die Rebflächen ausgedehnt. Die Trauben gingen an die Winzervereinigung im nahen Freyburg. Es gab viel zu viel Personal, wie überall in der DDR. Vater Werner Böhme wurde in den Ruhestand entlassen. Der Sohn durfte bleiben und kümmerte sich um die Weinbautechnik.

Die ganze Zeit spielte er mit dem Gedanken, selbst Winzer zu werden. Seine erste Investition waren 1990 eine Traubenmühle und eine kleine Presse. 500 Mark zahlte er dafür, damals viele Geld. Das war wohl eher ein Spielzeug, mit dem er etwas Wein kelterte. Doch stellten die Geräte den Grundstock dar für das propere Gut, das er heute besitzt.

Nach und nach kamen weitere Rebgärten hinzu. Die Trauben lieferte er bei der Genossenschaft ab und erhielt einen kleinen Teil in Form von abgefüllten Wein zurück. Das war damals ein Ersatzzahlungsmittel. »Wenn wir Material für den Umbau brauchten, dann kamen wir mit einer Flasche in der Hand schneller ran.«
Vor zehn Jahren machte sich Frank Böhme als Winzer selbstständig. Die dafür notwendigen Kenntnisse brachte er sich selbst bei, großenteils aus Lehrbüchern. Buchhaltung und Betreuung von Lehrlingen lernte er in der Abendschule in Freyburg. Dann durfte er sich Meister nennen.

Böhme, nun 50 Jahre alt, ist stolz auf seine Leistung. Seine Weine, früher mitteldeutschderb, sind heute geschliffen, klar, herrlich fruchtig, was eine Traube im Gault-Millau-Führer brachte. Tochter Marika studiert an der Weinbau-Uni in Geisenheim, bereitet sich also auf die Nachfolge vor.

Ein bezaubernder Tropfen ist die junge Traminer-Auslese vom Muschelkalk des Freyburger Schweigenberg. Süße Düfte steigen in die Nase: Rosen, Veilchen, Mandeln. Die Frucht von Lychees bleibt lange am Gaumen. Eine frische Säure lässt den üppigen Wein schlank erscheinen. Er schmeckt zu Kaninchenleber-Pastete vorweg, aber auch zum milden Käse als Abschluss des Menüs.